Beate Schmid ist Religionspädagogin, arbeitet bei der katholischen Kirche als Gemeindereferentin und lebt in Gundelsheim. Im Netz ist sie als beas.papieroase unterwegs. Im Interview erzählt sie, was ein verpasster Zug mit Bible Art Journaling zutun hat und was Bible Art Journaling für sie bedeutet.

Liebe Beate, erzähl uns doch bitte ein bisschen von dir.

Beate Schmid: Wenn mein Mann und meine Kinder mich suchen, finden sie mich entweder an meinem Schreibtisch zwischen Papier, Stiften und Büchern oder irgendwo in der Sonne. Finden sie mich nicht, bin ich in der Kirchengemeinde unterwegs, irgendwo mit dem Rad oder am, im oder auf dem Wasser!
Meine Papieroase ist kein Geschäft, sondern mein Lieblingsplatz im Haus, meine Oase im Alltag: mein Schreibtisch vor mir und das Regal voller Materialien und Büchern hinter mir. Hier bin ich gern kreativ.

Wie bist du auf Bible Art Journaling aufmerksam geworden?

Beate Schmid: Beim Katholikentag in Münster! Ich wollte gerade mit meinem neuen Lesestoff aus der Buchhandlung stürmen um meinen Zug noch zu erwischen, als ich im Augenwinkel einen Tisch mit Bibelsachen gesehen habe. Vollbremsung und Kehrtwende – da musste ich natürlich noch kurz stöbern! Ich entdeckte ein Buch über Bible Art Journaling (BAJ) und hatte das Gefühl, die Sonne geht auf in mir!

Den Zug hab ich verpasst, dafür aber eine ganz wunderbare Methode der Bibelarbeit gefunden! Zwei wichtige Bereiche meines Lebens haben sich plötzlich zusammengefügt: meine Kreativität und die Bibel!

Was bedeutet Bible Art Journaling für dich?

Beate Schmid: BAJ ist meine kreative Tür zur Bibel! Durch diese ausdrucksstarke Methode haben die biblischen Texte für mich noch einmal eine ganz neue Tiefe gewonnen.
Im Studium, Gottesdiensten oder bei Bibelgesprächen gehen wir oft eher rational an die Texte heran. Das ist auch wichtig, aber ich brauche die bildhafte Auseinandersetzung unbedingt auch.

BAJ ermöglicht einen emotionalen, sinnlichen Zugang. Inhalte sinken während der Arbeit mit Stiften, Farben oder Materialien tiefer ins Herz. Zentrale Aussagen können herausgearbeitet werden. Erfahrungen, Erkenntnisse oder Glaubensinhalte werden sichtbar und spürbar.
Um es also mal theatralisch zu sagen: würde das Haus brennen und ich könnte einen Gegenstand retten, wäre es meine Journaling-Bibel!

Welche Tipps hast du, wenn man mit Bible Art Journaling beginnen möchte?

Beate Schmid: Lieblingsstifte, ein Bibeltext oder Vers, etwas Zeit und schon kann´s losgehen. In einem Gebet zu Beginn kann die innere Haltung gefunden werden: es geht um die Begegnung mit Gott und seinem Wort. Dann beginnt eine Entdeckungsreise in das Leben Jesu oder in Glaubenserfahrungen von Menschen früherer Zeiten.
Von Leistungsdruck, Perfektionismus und Bewertung darf man sich getrost verabschieden und sich einfach Gott entgegenstrecken. (Das mit dem Verabschieden übe ich immer noch – der Perfektionismus klebt an mir wie Kaugummi *lach).

BAJ ist kreatives Gebet, kunstvolles Dasein vor Gott, sinnliche Glaubenssuche. Das macht es wertvoll – unabhängig davon wie die gestaltete Seite am Ende aussieht.

Manche Seiten meiner Bibel gefallen mit rein optisch weniger, aber ich verbinde eine intensive Erfahrung oder wunderbare Erkenntnisse damit. Darüber freue ich mich. Man kann einzelne Bibelseiten ausdrucken oder sich eine Journalingbibel zulegen. Dickeres Papier eignet sich gut zum Gestalten, weil die Farben dann nicht so schnell durchdrücken. Interessant ist es auch, verschiedene Bibelübersetzungen zu vergleichen. Das geht zum Beispiel auf www.bibleserver.de ganz gut.

   

Ein toller Einstieg bieten auch BAJ-Workshops, bei denen das unterschiedlichste Material zur Verfügung gestellt wird und man eine Einführung bekommt. Ich bin hier immer wieder gern unterwegs und packe meine Ausrüstung ins Auto: beas papieroase mobil.

Und hier auf bibelkreativ.de finden sich ebenfalls gute Tipps und Material für den Start!

Lässt sich Bible Art Journaling in den Alltag integrieren?

Beate Schmid: Manchmal ist es zwischen Familie, Beruf und Haushalt gar nicht so einfach, sich dafür Zeit zu nehmen. Aber es ist eine Frage der Priorität. Ganz nach dem Motto „Erst Wichtiges, dann Dringendes!“ habe ich meine Zeiten gefunden, in der alles andere warten muss und ich abtauche in die Botschaft Jesu! Manchmal nur kurz mit einem schön geletterten Satz, manchmal auch 2 oder 3 Stunden ganz ausgiebig.

Wenn ich ein paar Tage nicht zum journalen gekommen bin, dann zieht mich die Sehnsucht wieder in meine Papieroase. Sehnsucht nach dieser Gegenwart Gottes beim BAJ und meiner kreativen Antwort darauf.

Welches ist deine Lieblingsbibelstelle?

Beate Schmid: Das ändert sich immer mal wieder. Im Moment begleitet mich Joh 4,14 besonders, wo Jesus sagt: „Wer aber von dem Wasser trinkt, das ich ihm gebe, der wird nie wieder Durst bekommen. Dieses Wasser wird in ihm zu einer nie versiegenden Quelle, die ewiges Leben schenkt.“
Wasser ist mein Lieblingselement und von daher geht mir dieser Vergleich Jesu sehr nahe. Er gibt mir, was in mir sprudelt – das ist ein wunderschönes und lebendiges Bild!

Vielen Dank für das Interview!

Franziska Strecker

Author Franziska Strecker

Franziska Strecker lebt in Lübeck und studiert Humanmedizin. Sie engagiert sich bei der Jugendinitiative "Nightfever" und widmet sich in ihrer Freizeit gerne kreativen Projekten.

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